🎄 Abschied von einem alten Freund – oder: Wann es Zeit ist, loszulassen
1997 haben wir unser Haus gekauft.
Im Garten standen zwei schmächtige Tannen – ausgesetzte Christbäume.
Wir wollten einen richtig schönen Baum im Garten und entschieden uns, den kleineren zu fällen, damit der andere sich entfalten konnte.
In den folgenden Jahren haben wir ihn gepflegt, gedüngt und in Hitzeperioden gegossen.
Er wuchs zu einer mächtigen Tanne heran – 21 Meter hoch, rund acht Tonnen schwer – und wurde zum Wahrzeichen unseres Gartens.
Er spendete Schatten, kühlte die Terrasse und sah im Winter aus wie aus einem Märchenwald.
Doch nach fast 30 Jahren war klar: Der Schatten wurde zu mächtig, ließ kaum noch andere Pflanzen im Garten wachsen.
Vor allem aber: Der Baum fühlte sich nicht mehr wohl. Er bekam nicht mehr das Wasser, das er brauchte – Äste wurden braun und brüchig.
Wir mussten erkennen, dass die Natur ihren Lauf vollendet hatte.
Gerade noch in seiner Blüte wurde er heute gefällt – um noch eine letzte, große Aufgabe zu erfüllen.
Unsere Tanne wird in den nächsten Wochen den Salzburger Christkindlmarkt verschönern – und dort viele Menschen in der Adventzeit erfreuen. ✨
Ein schöner Gedanke. Und ein Trost.
Der Mensch steht oft vor derselben Frage:
Wann ist der richtige Zeitpunkt, etwas loszulassen?
Etwas, das Halt, Sicherheit und Schönheit gegeben hat – und trotzdem Platz braucht, damit Neues wachsen kann.
Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt.
Nur den Moment, in dem wir erkennen, dass alles seine Zeit hat.
Schon Hesse meinte, dass Bäume Lehrmeister des Gleichmaßes und der Geduld seien:
„Bäume wachsen langsam, aber sie werden alt. Ihr Vergehen ist still, wie ihr Wachsen.“
– Hermann Hesse